Tipps für früh­pha­si­ge Grün­der und Grün­der “in spe”

Tipps für früh­pha­si­ge Grün­der und Grün­der “in spe”

Machen, den rich­ti­gen Rat ein­ho­len, nicht über bei dem Anblick des “Ber­ges an Unbe­kann­ten” ver­zwei­feln. Viel­mehr dar­auf ver­trau­en, dass mit den rich­ti­gen Beglei­tern der Weg zu meis­tern sein wird. 

Mit dem rich­ti­gen Rat kön­nen am Anfang prag­ma­ti­sche Maß­nah­men getrof­fen wer­den, die rich­ti­ge und wich­ti­ge Wei­chen für spä­ter stellen. 

Der Rest der Angst ist am bes­ten abzu­schüt­teln und dar­auf zu ver­trau­en, dass man die Her­aus­for­de­run­gen in der Zukunft meis­tern kön­nen wird.

Schließ­lich sind nicht alle Her­aus­for­de­run­gen auf ein­mal zu bewäl­ti­gen. Zudem sind Feh­ler oft unter­schät­ze und wert­vol­le Erfah­run­gen, mit denen wir unse­re Per­sön­lich­keit ent­wi­ckeln und vie­le Leh­ren zie­hen können.

Das sind mei­ne Tipps an jun­ge Gründer:innen, die eine Geschäfts­idee beglei­ten und die aus einer irra­tio­na­len Angst her­aus nicht ins Tun kommen.

In die­sem Bei­trag geht es um die Wei­chen für die ers­ten prag­ma­ti­schen Maßnahmen.

 

Der Start in das eige­ne Unter­neh­men scheint manch­mal so auf­wen­dig und vol­ler Gefah­ren, dass man den ent­schei­den­den Schritt zur Auf­nah­me der Geschäfts­tä­tig­keit nicht wagt. Eine ratio­na­le, aber zum Teil auch irra­tio­na­le Angst hält einen zurück, den ers­ten Schritt zu gehen und ein­fach zu beginnen.

Wagt man dann den ers­ten Schritt, kann es pas­sie­ren, dass man am Anfang leicht umsetz­ba­re Wei­chen nicht stellt. Meist genü­gen nur klei­ne Ver­än­de­run­gen im Arbeits­pro­zess, um zum Teil nur for­mel­le Feh­ler nicht zu machen und damit viel Bera­ter­ho­no­rar von mor­gen zur Kor­rek­tur die­ser Feh­ler zu sparen.

Bei­de The­men kön­nen leicht aus der Welt geräumt wer­den, indem man sich die rich­ti­gen Spar­rings­part­ner sucht.

Wel­che Wei­chen sind anfangs leicht zu stellen? 

Hier­zu zwei Beispiele:

Bei­spiel: Nach­träg­li­che Kor­rek­tu­ren der Rechts­form­wahl – von der GbR in die GmbH

Aus Kos­ten­grün­den hat­te sich ein Grün­der­team, ohne einen Bera­ter zu kon­sul­tie­ren, einen Mus­ter­ver­trag zur Grün­dung einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts (GbR) aus dem Netz gezo­gen. Sie grün­de­ten eine GbR. Dies ist eine Per­so­nen­ge­sell­schaft. Als sie einen Rechts­an­walt in ande­rem Kon­text kon­tak­tier­ten, stell­te sich her­aus, dass mit dem ope­ra­ti­ven Geschäft wesent­li­che Haf­tungs­ri­si­ken ein­her gin­gen. Es wur­de also eine Kapi­tal­ge­sell­schaft gebraucht, zum Bei­spiel eine GmbH, um eine Haf­tungs­ab­schir­mung zur per­sön­li­chen Ebe­ne zu bewir­ken. Haf­tungs­ab­schir­mung meint, dass Risi­ken der Geschäfts­tä­tig­keit nicht die per­sön­li­che Ebe­ne (pri­va­te Ebe­ne) errei­chen und Pri­vat­in­sol­ven­zen her­vor­ru­fen können.

Jede Über­tra­gung von Ver­mö­gen kann eine Steu­er­be­las­tung aus­lö­sen. Daher ist Steu­ern in sol­chen Fäl­len immer rele­vant. Auch bei einer Über­tra­gung von Ver­mö­gen von einer Per­so­nen­ge­sell­schaft auf eine Kapi­tal­ge­sell­schaft. Als die Grün­der dies vor­nah­men, hat­ten sie die Kos­ten für die Grün­dung der Kapi­tal­ge­sell­schaft durch einen Notar zu tra­gen. Die­se wären auch ohne den „Umweg“ ent­stan­den. Nur die umfang­rei­che­re Ana­ly­se des Steu­er­be­ra­ters hät­te es nicht gebraucht, wären die Grün­der zu einem Bera­ter gegan­gen, um die rich­ti­ge Rechts­form zu bestim­men, bevor die GbR gegrün­det wur­de oder Geschäfts­tä­tig­kei­ten auf­ge­nom­men wur­den. Kla­res Sparpotential.

Bei­spiel: Opti­mie­rung des Rech­nungs­le­gungs­pro­zes­se mit­hil­fe auto­ma­ti­sier­ter Pro­zes­se ent­spre­chend umsatz­steu­er­li­cher Anforderungen

In einem zurück­lie­gen­den Pro­jekt habe ich ein gro­ßes Ber­li­ner Start-Up dabei unter­stützt, den Rech­nungs­le­gungs­pro­zess neu auf­zu­set­zen, um Anfor­de­run­gen aus dem Umsatz­steu­er­ge­setz zu ent­spre­chen. Pro­blem war, dass die­ses Start Up als Platt­form­un­ter­neh­men vie­le Daten von Kun­den und Dienst­leis­tern pfle­gen und für die Rech­nungs­le­gung auf­be­rei­ten muss­te. Eine effi­zi­en­te und feh­ler­freie Über­ga­be die­ser Stamm­da­ten von einem Sys­tem in ein ande­res fand nicht statt. Im Ergeb­nis waren vie­le Rech­nun­gen falsch aus­ge­stellt. In der Kon­se­quenz muss­ten für mehr als drei Jah­re rück­wir­kend Rech­nun­gen stor­niert, neu aus­ge­stellt, kor­ri­giert und Umsatz­steu­er­vor­anmel­dun­gen (monat­li­che Mel­dun­gen über Umsät­ze und Auf­wen­dun­gen) ent­spre­chend neu abge­ge­ben werden.

Das Umsatz­steu­er­ge­setz stellt vie­le sehr for­mel­le Anfor­de­run­gen. Auch wenn aus Sicht des nor­ma­len Men­schen­ver­stan­des kei­ne wesent­li­chen Feh­ler bestehen, sieht das Finanz­amt das oft auf Basis der gesetz­li­chen Rege­lun­gen anders. Hier­mit mei­ne ich zum Bei­spiel die Adres­se, die in einer Rech­nung genutzt wird. Ein Unter­neh­mer ist nicht sein Unter­neh­men. Ist der Wohn­ort des Unter­neh­mers auf der Rech­nung ange­ge­ben, ist dies nicht kor­rekt. Es muss die Adres­se des Betriebs­or­tes ange­ge­ben wer­den. Das kann zum Teil hohe finan­zi­el­le Bedeu­tung haben, wenn die ver­bun­de­nen Umsatz­steu­er­be­trä­ge hoch sind oder die Anzahl an betrof­fe­nen Rech­nun­gen hoch ist.

Um die­sen auf­wen­di­gen und teu­ren Kor­rek­tur­pro­zess zu ver­mei­den, muss­ten ver­schie­de­ne Sys­te­me mit­ein­an­der in einem durch­dach­ten Schnitt­stel­len­kon­zept kom­mu­ni­zie­ren. Je frü­her die­ses auf­ge­setzt wird, des­to weni­ger sys­te­ma­ti­sche Feh­ler und auf­wen­di­ge Kor­rek­tu­ren sind im Nach­gang erforderlich.

Ins­be­son­de­re vor einer Inter­na­tio­na­li­sie­rung des Geschäfts­mo­dells soll­ten sol­che Wei­chen gestellt werden.

Digi­ta­le Work­shops für Gründer:innen direkt zum Start in die Geschäftstätigkeit

Gemein­sam mit Clau­dio Kühn, Rechts­an­walt in eige­ner Kanz­lei mit Fokus auf dem Gesell­schafts­recht, hal­te ich digi­ta­le Work­shops zu den steu­er- und gesell­schafts­recht­li­chen Fra­gen bei der Rechts­form­wahl. Dabei gehen wir gemein­sam prag­ma­tisch und leicht ver­ständ­lich ent­schei­den­den Fra­gen nach, mit denen sich vie­le Gründer:innen zum Start ihres Unter­neh­mens her­um­schla­gen. Dazu zäh­len zum Beispiel:

  • Was bedeu­tet Ein­zel­un­ter­neh­men? Bin ich Ein­zel­un­ter­neh­mer, wenn ich die Geschäfts­tä­tig­kei­ten mit ande­ren starte?
  • Was bedeu­tet es eigent­lich, eine Kapi­tal­ge­sell­schaft zu grün­den? Ist es bes­ser, eine Per­so­nen­ge­sell­schaft zu grün­den? Eine Per­so­nen­ge­sell­schaft grün­de ich erst, wenn alle Team­mit­glie­der den Gesell­schafts­ver­trag unter­schrie­ben haben, oder etwa nicht?
  • Muss ich sofort eine Kapi­tal­ge­sell­schaft grün­den, wenn ich doch erst ein­mal aus­pro­bie­ren möch­te, ob mei­ne Geschäfts­idee funk­tio­niert? Was, wenn ich spä­ter eine ande­re Rechts­form benötige?
  • Wie betei­li­ge ich Geld­ge­ber und Mit­strei­ter am bes­ten am gemein­sa­men Erfolg des Unter­neh­mens? Ist eine Betei­li­gung immer das Bes­te? Was bedeu­tet eine Betei­li­gung eigent­lich? Wor­an kann ich Unter­stüt­zer über­haupt beteiligen?
  • Was bedeu­tet das alles eigent­lich wirt­schaft­lich und wel­chen Effekt hat es auf mein Busi­ness Model?

Zuletzt haben Clau­dio und ich mit Sti­pen­dia­ten der Kon­rad-Ade­nau­er-Stif­tung ein Kon­rad-Ade­nau­er-Stif­tung Grün­der Semi­nar beglei­tet. Inner­halb der Begab­ten­för­de­rung hat sich in den letz­ten Jah­ren eine Grün­der­sze­ne her­aus­ge­bil­det, die sich regel­mä­ßig trifft. Das gro­ße Poten­ti­al: Das Know-how unter­schied­li­cher Fach­rich­tun­gen kommt hier zusam­men und trifft auf Grün­dungs­wil­len und Risikobereitschaft.

Eine Grün­dung aus dem Alumni-Kreis

Aktu­ell beglei­ten wir eine Alum­na der Kon­rad-Ade­nau­er-Stif­tung bei der Grün­dung eines Joint Ven­tures. Das Geschäfts­mo­dell wur­de bereits in den Nie­der­lan­den und UK durch nie­der­län­di­sche Grün­der erfolg­reich auf­ge­setzt. Nun soll es nach Deutsch­land gebracht wer­den. Es geht dar­um, eine Soft­ware gestütz­te Dienst­leis­tung an gemein­nüt­zi­ge Ein­rich­tun­gen zu erbrin­gen, um ihnen die Finan­zier­bar­keit der gemein­nüt­zi­gen Pro­jek­te zu erleichtern.

Neben Fra­gen der Struk­tu­rie­rung der Gesell­schafts- und Gesell­schaf­ter­struk­tur zur Bil­dung des Joint Ven­tures bestehen Fra­gen zu not­wen­di­gen Ver­än­de­run­gen der Soft­ware und Ver­trags­be­zie­hun­gen für das ope­ra­ti­ve Geschäft. Schließ­lich muss das Geschäfts­mo­dell an die deut­schen Rah­men­be­din­gun­gen ange­passt wer­den. Wir erar­bei­ten gemein­sam die ein­zel­nen Arbeits- und Ent­schei­dungs­pro­zes­se durch Mit­ar­bei­ter und Maschi­ne, um sie mög­lichst opti­mal an steu­er­li­chen Vor­ga­ben aus­zu­rich­ten, die schließ­lich recht­lich umge­setzt wer­den müssen.

Was könn­ten dar­über hin­aus am Anfang rele­vant sein?

Eini­ge wei­te­re Fra­gen, die sich zu Beginn einer Geschäfts­tä­tig­keit stel­len und regel­mä­ßig in digi­ta­len Work­shops erar­bei­tet wer­den kön­nen, sind zum Beispiel:

  • Wie erfährt das Finanz­amt von mir?
  • Wie erhal­te ich eine Umsatzsteueridentifikationsnummer?
  • Wie fül­le ich den steu­er­li­chen Erfas­sungs­bo­gen aus? Was bedeu­ten all die­se unbe­kann­ten Begrif­fe? Was bedeu­tet „Soll- und Ist-Versteuerung“?
  • Wie muss mei­ne Rech­nung aus­se­hen? Muss ich beim Vor­steu­er­ab­zug auf beson­de­re Fal­len achten?
  • Wie rich­te ich den Rech­nungs­le­gungs­pro­zess am bes­ten aus, wenn ich in vie­len Geschäfts­be­zie­hun­gen umfang­rei­che Stamm­da­ten und wei­te­re Meta­da­ten zusam­men­brin­gen muss?
  • Wie kor­ri­gie­re ich Rech­nun­gen rich­tig? Ich darf nicht ein­fach die fal­sche Rech­nung neh­men und den Betrag korrigieren?

Feed­back aus den digi­ta­len Work­shops mit der Konrad-Adenauer-Stiftung

„Dan­ke, Judith! Wenn ich Dei­ne Steu­er­hin­wei­se frü­her gekannt hät­te, wären mir man­che (kost­spie­li­ge) Irr­we­ge erspart geblie­ben. Toll, dass Du dich für unse­ren Grün­der­kreis enga­gierst!“ Cars­ten R., Seri­al Entrepreneur

„Wenn ich Dei­ne Hin­wei­se, Judith, aus dem digi­ta­len Work­shop vor neun Mona­ten gekannt hät­te, hät­te ich mir vie­le Stun­den müh­sa­me Recher­che erspa­ren kön­nen.“ Jes­si­ca M., Gründerin

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Wenn euch ähn­li­che Fra­gen unter den Nägeln bren­nen, schreibt mir gern eine E‑Mail oder ruft mich an.

Anmer­kung an mei­ne Kol­le­gen: ich ver­ein­fa­che in mei­nen Blog­bei­trä­gen sehr bewusst. So unter­schei­de ich in die­sem Blog­bei­trag zum Bei­spiel nicht zwi­schen Vor­steu­er- und Umsatzsteuer.

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